Ein weiteres erwähnenswertes Feature von Web 2.0 ist die Tatsache, dass es nicht länger auf die PC-Plattform beschränkt ist. In seiner Abschiedsnachricht an Microsoft betont der langjährige Microsoft-Entwickler Dave Stutz: “Nützliche Software, die über die Grenzen einzelner Geräte hinaus geschrieben wurde, wird die hohen Margen für lange Zeit beherrschen.”
Natürlich kann zunächst jede Webanwendung als geräteunabhängig angesehen werden. Immerhin sind selbst an der simpelsten Webanwendung mindestens zwei Computer beteiligt: Auf dem einen läuft der Webserver, auf dem anderen der Browser. Und wie bereits gesagt erweitert die Entwicklung des Web zu einer Plattform diese Idee hin zu synthetischen Anwendungen, die aus verschiedenen Diensten von völlig unterschiedlichen Computern bestehen.
Aber wie in so vielen Bereichen des Web 2.0, bei denen die “2.0-heit” nichts vollkommen Neues, sondern vielmehr eine vollständigere Realisierung des wahren Potentials der Web-Plattform ist, gibt uns auch dieser Ausdruck einen entscheidenden Einblick in die Designprinzipien für Dienste und Anwendungen der neuen Plattform.
Heutzutage stellt iTunes hierfür das beste Beispiel dar. Diese Anwendung schafft den nahtlosen Übergang vom mobilen Endgerät zu einem gewaltigen Web-Backend, mit dem PC als lokalem Cache und Kontrollstation. Es gab auch früher schon viele Versuche, Web-Inhalte auf mobile Endgeräte zu bringen, aber die iPod/iTunes-Kombination ist die erste dieser Anwendungen, die sich von Grund auf über mehrere Gerätetypen erstrecken sollte. TiVo ist ein weiteres gutes Beispiel.
iTunes und TiVo weisen auch viele weitere der Kernprinzipien von Web 2.0 auf. Sie sind keine Webanwendungen per se, jedoch setzen sie das Web äußerst wirksam ein, als nahezu unsichtbaren, integrierten Bestandteil ihrer Infrastruktur. Datenmanagement ist natürlich das Herz ihres Angebotes. Sie sind Dienste, keine verpackten Produkte (obwohl iTunes als solches benutzt werden kann, wenn man es nur zum Management lokaler Daten einsetzt). Darüber hinaus zeigen sowohl iTunes als auch TiVo aufkeimende Nutzung kollektiver Intelligenz, obwohl dies in beiden Fällen mit den Interessen des Rechteverwertungsgesellschaften (IP-Lobby) kollidiert. Es gibt zwar bei iTunes bislang nur wenige Möglichkeiten der Beteiligung, die kürzlich erfolgte Hinzunahme von Podcasting wird dies aber substantiell ändern.
Dies ist der Bereich von Web 2.0, in dem wir einige der größten Änderungen erwarten, da mehr und mehr Gerätetypen an die neue Plattform angebunden werden. Welche Arten von Anwendungen werden möglich, wenn unsere Telefone und Autos nicht nur Daten konsumieren, sondern auch bereitstellen? Verkehrsanzeigen in Echtzeit, Flash Mobs und Bürger-Journalismus sind nur die ersten Anzeichen für das Leistungsvermögen der neuen Plattform.


