Lightweight Programming Models PDF Print E-mail

Als die Idee der Web Services bekannt wurde, stürzten sich große Firmen mit einem ganzen Haufen komplexer Web Services ins Getümmel, die der Kreation hochverfügbarer Programmierumgebungen für verteilte Anwendungen dienen sollten.

Aber so wie das Web Erfolg erlangte, indem es viel von der Theorie des Hypertext wieder verwarf und stattdessen einen Pragmatismus des idealen Designs einsetzte, wurde RSS aufgrund seiner Einfachheit der vermutlich am weitesten verbreitete Web Service, während die komplexen Dienste der Unternehmen noch auf ihre Verbreitung warten.

In vergleichbarer Weise werden Amazon’s Web Services in zwei Varianten angeboten: Eine unter strenger Einhaltung der Formalien von SOAP, die andere nutzt dagegen die einfache Verbreitung von XML über HTTP mittels eines leichtgewichtigeren Ansatzes, bekannt als REST (Representational State Transfer). Während wenige, hochwertige B2B-Verbindungen (z.B. zwischen Amazon und großen Vertriebspartnern wie Toys’R'Us) die SOAP-Variante verwenden, wählen 95 Prozent der sonstigen Nutzer den REST-Service.

Dieser Wunsch nach Simplizität kann auch bei anderen “organischen” Web Services beobachtet werden, Google Maps ist hier ein gutes Beispiel. Das dort verwandte AJAX-Interface (Asynchronous Javascript And XML) wurde schnell von einigen “Hackern” entschlüsselt und zur Erstellung neuartiger Services mithilfe der bereitgestellten Daten eingesetzt.

Auf Kartendienste basierende Web Services waren schon seit einiger Zeit verfügbar, sowohl von GIS-Anbietern wie ESRI als auch von MapQuest und Microsoft (MapPoint), aber Google Maps war die Sensation schlechthin aufgrund seiner Einfachheit. Während Experimente mit den anderen Diensten einen formalen Vertrag zwischen den Parteien voraussetzten, konnte jedermann die Daten von Google Maps nehmen und sie kreativ weiterverarbeiten.

Hieraus lernen wir folgende bemerkenswerte Grundsätze:

  1. Unterstütze LPMs (Lightweight Programming Models), die lose gekoppelte Systeme ermöglichen. Die Komplexität des von großen Unternehmen geförderten Dienstangebots ist auf enge Kopplung ausgelegt. Während dies in einigen Fällen sicherlich notwendig ist, können viele der interessantesten Anwendungen in der Tat lose gekoppelt bleiben, teilweise sogar bruchstückhaft. Die Mentalität von Web 2.0 ist grundverschieden zur Denkweise der traditionellen IT.
  2. Kooperiere ohne zu koordinieren. Bei einfachen Web Services wie RSS und den REST-basierten geht es darum, Daten zu verteilen oder auszutauschen und nicht darum zu kontrollieren, was am anderen Ende der Leitung mit ihnen geschieht. Diese Idee war bereits grundlegend für das Internet an sich, in Anlehnung an das bekannte “Ende-zu-Ende”-Prinzip.
  3. Gestalte mit Blick auf “Hackability” und “Remixability”. Systeme wie das Web, RSS und AJAX haben alle eines gemeinsam: Die Barrieren zur Wiederverwendung sind extrem gering. Eine Menge nützlicher Software ist sogar völlig quelloffen, und selbst wenn sie das nicht ist, gibt es wenige Mittel im Hinblick auf den Schutz geistigen Eigentums. Webbrowser sorgen mit ihrer Funktion zur Quelltextansicht dafür, dass jeder jede Webseite kopieren kann. RSS erlaubt es dem Benutzer, jederzeit die von ihm gewünschten Inhalte abzurufen, nichts davon geschieht auf Geheiß des Informationsanbieters. Die erfolgreichsten Web Services sind die, die sich leicht in Richtungen weiterentwickeln lassen, an die der ursprüngliche Erfinder gar nicht gedacht hat. Der Ausdruck “einige Rechte vorbehalten”, erstmals von den Creative Commons als Kontrast zum bekannten “alle Rechte vorbehalten” verwandt, zeigt die Richtung an, in die es gehen wird.

Innovation durch Zusammenbau

LPMs und offene Kooperation werden begleitet von LBMs (Lightweight Business Models). Ein neuer Dienst wie housingmaps.com entstand einfach durch die Verknüpfung zweier bereits existierender Dienste. Housingmaps.com hat (noch) kein Geschäftsmodell - aber für viele der kleineren Services bieten Google AdSense und Co. das Snap-In-Äquivalent eines Ertragsmodells.

Dies ist ein schönes Beispiel für ein weiteres Prinzip von Web 2.0, das da heißt: Innovation durch Zusammenbau. Wenn die grundlegenden Komponenten reichlich vorhanden sind, lässt sich weiterer Nutzen generieren, indem man sie einfach auf neue und effektive Weise zusammensetzt. So wie die PC-Revolution Innovationen durch den Zusammenbau von Hardware-Komponenten ermöglichte, woraus Firmen wie Dell auf erfolgreiche Weise eine regelrechte Wissenschaft machten und andere Firmen weit hinter sich ließen, deren Geschäftsmodell Innovation durch Produktentwicklung vorsah, so glauben wir auch, dass Web 2.0 es Firmen ermöglichen wird, erfolgreicher zu sein als andere, indem sie die Dienste anderer auf innovative Art und Weise verbinden und nutzbar machen.

Aktualisiert am 14. NOVEMBER 2008